Schwester Martha Balcázar Melgar / Übersetzung Pia Wohlgemuth

Respekt vor der Natur – Umwelterziehung in bolivianischen Schulen

Durch Schulprojekte lernen die Schüler Achtsamkeit für die Schöpfung und ein nachhaltiges Umweltbewußtsein. Bild von Martha Balcázar Melgar.

In unseren franziskanischen Schulen hier in Ascensión de Guarayos ist es ein ständiger Kampf, die Klassenzimmer, die Flure, die Spielplätze und den Pausenhof frei von Müll zu halten. Ist das in Deutschland auch so?

Es ist nicht einfach, bestimmte Lebensstile und Gewohnheiten zu ändern. Unsere Schulkinder sind im alltäglichen Leben außerhalb der Schule von Müll umgeben. In unserer Stadt gibt es überall Abfall, unsere Gemeinde stellt keine öffentlichen Mülleimer an Straßen und öffentlichen Plätzen zur Verfügung. Also landet jede leere Plastikflasche, jedes Papier, jede Plastiktüte, alles, was man gerade loswerden will, achtlos weggeworfen auf der Straße. Das gleiche Bild bietet sich an jedem Haus, denn auch für Privathaushalte gibt es keine städtischen Abfalltonnen.

Wir sprechen mit den Kindern und Jugendlichen an unseren Schulen über unsere Umwelt und deren Pflege. Wir fangen in unserem kleinen Schulkosmos an und erweitern dann die Sicht der Schülerinnen und Schüler auf ihr Zuhause, ihre Stadt, ihr Land – bis hin zu ihrem Planeten.

Die Schüler üben den Gebrauch von Mülleimern zur Sauberhaltung der Schule. Das kostet uns Erziehern zunächst viel Kraft. Aber nach und nach entsteht bei den Kindern und Jugendlichen ein neues, anderes Bewusstsein im Umgang mit ihrer Umwelt. Sie haben tatsächlich gemerkt, wie schön ein sauberes Umfeld ist und bringen diese Erfahrung mit heim.

Nachhaltig handeln

Ein weiterer Aspekt ist der Umgang mit Pflanzen. Früher konnten unsere Kinder keine Blumen sehen, ohne sie samt Wurzel aus der Erde zu reißen oder sie sonst irgendwie zu zerstören. Es war, als würde es sie ärgern, etwas Schönes, Blühendes zu sehen. Letztes Jahr haben die Schulklassen unserer franziskanischen Schule „Santa Teresita“ deshalb ein Projekt durchgeführt: Jede Klasse wählte einen Sämling, pflanzte ihn in Blumenerde, goss ihn und kümmerte sich um das wachsende Geschöpf. Es war eine sehr schöne Erfahrung. Auch die Eltern waren einbezogen und sie unterstützten ihre Kinder. Heute kümmern sie sich weiterhin um ihre Pflanzen. Auch dieses Jahr wird ein neuer Wettbewerb gestartet.

In unserer „Madre María Hueber“-Schule wird auch sehr viel an der Umwelterziehung gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler haben Schulgärten, um die sie sich kümmern. Auch führen sie Aufräumaktionen innerhalb und außerhalb der Schule durch. Sie helfen zum Beispiel den Nachbarn bei der Reinigung ihrer Terrassen und ähnliches.

Im Unterricht verwenden wir auch Materialien wie zum Beispiel Plastikflaschen oder -besteck, Flaschenverschlüsse oder Plastiktüten wieder: Es wird daraus etwas gebastelt oder Lernmaterial hergestellt. Das nennt man Re- und Upcycling. Bei unserer Umwelterziehung nehmen wir natürlich auch die Eltern unserer Kinder mit ins Boot. Erfreulicherweise gibt es da seit jeher in unseren Schulen eine recht gute Zusammen¬arbeit. Im letzten Schuljahr spendete die Schülervertretung gemeinsam mit dem Elternausschuss Mülltonnen für die Schule.

Auch in spiritueller Hinsicht arbeiten wir an den Werten Respekt, Verantwortung, Toleranz und Solidarität. Denn was nützt es, nur Außen aufzuräumen? Auch im Inneren sollte alles in Ordnung sein.

„Du kannst nicht geben, was du nicht hast.“ Wenn dein Leben in Frieden und Harmonie mit der Natur und deinen Mitmenschen ist, dann wirst du die Welt mit anderen Augen sehen, mit den Augen der Liebe Gottes.

Paz y Bien, Frieden und alles Gute!

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