Martha Balcázar Melgar htsf

Katechese am Küchentisch

Junge Mutter beim Erlenen des Katechismus. Bild von Martha Balcázar Melgar htsf.

Guarayos ist eine Provinz mit rund 40.000 Einwohnern im tropischen Tiefland Boliviens. Die Hauptstadt mit ungefähr 27.000 Einwohnern heißt Ascensión; das bedeutet Himmelfahrt. Hier gibt es schon seit dem Jahr 1823 Franziskaner. Die tapferen Missionare legten den Glauben an Christus in die Herzen des edlen Guarayo-Volkes. Der katholische Glaube bedeutet den Menschen hier nach wie vor sehr viel und sie leben ihn mit Hingabe.

Die Katechese in unserer Gemeinde Ascensión del Señor (Christi Himmelfahrt) war immer sehr lebendig. Unterricht gibt es sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für die Eltern. Wir Franziskanerinnen koordinieren zusammen mit unserem Pfarrer Pater Edwin Quispe ofm und einem Team von 22 Katechisten die Aktivitäten für Erstkommunion, Firmung, Vorbereitung vor der Taufe (auch Erwachsenentaufe) und Vorbereitung auf die Ehe. Es gibt auch die jungen Leute der Katechesegruppe „Luz-Vida“, die Laien-Missionare, Pfarrgemeinderäte und die Ministranten, die ihre Arbeit selbstlos und mit einer Berufung zum Dienst verrichten. Wir alle zusammen gestalten also einen guten Teil des Gemeindelebens.

Als ich mit dieser Aufgabe begann, war es nicht einfach, mit den Eltern in der Familienkatechese zu arbeiten, da sie sich selber nicht engagieren wollten. Im Laufe der Zeit bildeten sich jedoch Gruppen in den verschiedenen Stadtteilen und es fanden sich Elternsprecher, die die Evangelisierungstreffen zusammen mit einem Katecheten der Gemeinde durchführten. Das Ziel ist, den Glauben und das gute Zusammenleben in den Familien zu stärken und die Eltern zu ermutigen, christliche Werte zu leben.

Bei den jungen Menschen geht es uns darum, ihnen Erfahrungen durch praktisches Handeln zu ermöglichen. Sie üben Werke der Barmherzigkeit, indem Gruppen von Jugendlichen bedürftigste Familien besuchen. Dabei steuert jeder Teilnehmer etwas zum Essen für die Bedürftigen bei. Auch Krankenbesuche stehen auf dem Programm. Hier wird gemeinsam gebetet, geteilt, gesungen und getröstet.

Neue Art der Katechese

Durch die Pandemie erlebten wir zunächst eine Zeit der Sorge und Angst um unser Leben. Wir zogen uns zurück, es war gespenstisch still. Doch dies dauerte nicht lange. Mit Besinnung auf unseren Glauben, kam auch die Hoffnung zurück.

Wir krempelten die Ärmel hoch und gingen zu den Menschen unserer Gemeinde. Wir dachten, warum nutzen wir nicht die modernen Kommunikationsmittel? Unser ehemaliger Pfarrer, der Franziskaner Adalberto Mazur, hatte ja ein Pfarreiradio und einen kleinen Fernsehsender aufgebaut. So werden nun jeden Morgen und jeden Nachmittag die Katechese-Sendung mit unserem Pfarrer in Radio und Fernsehen ausgestrahlt.

Wenn man durch die Stadtviertel oder durch abgelegenere Gemeinden geht, sieht man sie: die Kinder und Jugendlichen, wie sie das Radio oder, sofern vorhanden, den Fernseher einschalten. Man sieht, wie sie am Küchentisch sitzen. Vor ihnen liegen die Bibel, der Katechismus, das Notizbuch, Radiergummi und Bleistift. Sie folgen mit viel Aufmerksamkeit dem Katechismusunterricht und den Erklärungen von Pfarrer, Ordensschwester oder Katecheten. Für alle Beteiligten, Lehrende und Lernende, ist alles neu und aufregend. Ein neuer Weg, das Evangelium zu verkünden und Hoffnung zu verbreiten.

Mittlerweile sind Schutzmaßnahmen wie Masketragen und Abstandhalten besser eingeübt, dadurch können wir die Katechese von Angesicht zu Angesicht wieder anbieten. Im Augenblick führen wir zwei Mal pro Woche ein Bibelstudium für Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch, die mehr über das Wort Gottes erfahren möchten. Dies geschieht abends in unserer großen Kirche. Diese Aufgabe wird auch mit unserem Pfarrer, den Katecheten und den Franziskanerinnen koordiniert.

Solidarität und Seelsorge

Jedes Jahr im Oktober organisieren die Jugendlichen unserer Pfarrei eine Evangelisierungsmission und besuchen Familien unserer Gemeinde. Diese Aktivität ist sehr wichtig, weil den jungen Menschen so der Wert der Solidarität und die Mission, die wir als Getaufte haben, praktisch vermittelt wird. Es ist zudem ein Segen für unsere ganze Gemeinde.

Die engagierten Laien sind eine große Unterstützung für unsere Ortskirche. Wir wollen in unserer Seelsorge neue Wege gehen, auf die Stimme der Leidenden hören, insbesondere der jungen Menschen oder verlassenen Frauen und alleinerziehenden Mütter, deren Rechte verletzt werden. In den Pfarreien Yaguarú und San Pablo gibt es keine Priester und Ordensleute. Deshalb unterstützen wir dort mit Pastoralbesuchen und unserem Katecheseprogramm.

Wir danken dem Herrn, dass er uns das Leben und die Berufung gegeben hat, ihm zu dienen. Als Missionskirche sind wir in Bewegung und tragen die Botschaft Christi, der befreit und möchte, dass wir glücklich sind.

Erstveröffentlichung Zeitschrift Franziskaner Mission 2020 / 4

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