Das „Hospital Mobil“

Eine junge Mutter mit ihrem Kind. Sie ist eine von vielen bolivianischen Frauen, die Dank „Hospital Mobil“
medizinische Beratung und ärztliche Hilfe erhalten. Bild von Maurice Ressel.

Mit dem „Hospital Mobil“ der Franziskaner fahren Gesundheitshelfer und ein Arzt in die entlegensten und oft unzugänglichen Gebiete rund um Cochabamba, um dort der bitterarmen Landbevölkerung ärztliche Hilfe und gesundheitliche Aufklärung zu bringen. Frauen auf dem Land haben im Durchschnitt acht bis neun Kinder, von denen jedoch höchstens sechs die ersten fünf Jahre überleben. Es wird Hilfe zur Selbsthilfe gegeben, indem Frauen und Kinder in drängenden Themen unterrichtet werden. Dazu gehören Schwangerschaft, Gefahren für das Neugeborene, Unterernährung, Impfungen, Alternativmedizin, Ernährung und Hygiene. Jeden Monat treffen sich etwa 500 Frauen mit ihren Kindern in kleinen Gruppen, die ihr Wissen dann an ihre großen Familien weitergeben.

Kostenbeispiele

  • Benzinkosten für das „Hospital Mobil“ pro Monat: 220,- Euro
  • Jahresseminar „Ernährung und Familie“ pro Person: 60,- Euro
  • Gesundheitskurs pro Person 15,- Euro
  • Ausbildung einer Hebamme: 750,- Euro

Spendenkonto

Liga Bank München
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BIC GENODEF1M05

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Das „Hospital Mobil“ legt viele Kilometer zurück, selbst in den unzugänglichen Ortschaften bieten Bruder Ignacio und sein Team ihre medizinische Unterstützung an. Hilfe zur Sebsthilfe: Die Frauen geben das Gelernte und Gehörte an ihre eigenen Familien weiter. Bild von Maurice Ressel.

Neue Besinnung auf Grundwerte – Erfahrungen des Krankenhausmobils in Bolivien

Das Krankenhausmobil der San Lucas Stiftung war auch in den Corona-Jahren 2020 und 2021 in den schwer zugänglichen Gemeinden im Dschungel von Chapare, in Mizque und im Süden von Cochabamba unterwegs. Und das, obwohl am Anfang Angst und Ohnmacht herrschten und die Frage aufkam, was angesichts so vieler Unsicherheiten zu tun ist.

Von Dr. Maria Teresa Losada Monsalve

Kinder werden in Gesundheitsfragen unterrichtet. Bild von Fundación San Lucas.

Wir wollten wissen: Wie schützen wir unser Volk, unsere Familien und uns selbst vor dem Virus, wenn den Menschen, die wir begleiten, sogar Wasser für den täglichen Bedarf und Grundnahrungsmittel fehlen? Wie erklären wir ihnen, dass sie ständig die Hände und ihre Kleider waschen sollten? Wie sollen sie ihre Abwehrkräfte mit einer guten und ausgewogenen Ernährung stärken, wenn ihre Arbeitsstellen geschlossen sind und damit selbst das Minimum an Einkommen weggefallen ist? Wie kann die erforderliche soziale Distanz eingehalten werden, um die Ausbreitung der Krankheit in Familien zu vermeiden, wenn sie in kleinen Häusern in einem einzigen Zimmer zusammenleben? Womit sollen sie Hygieneprodukte kaufen, wenn noch nicht einmal Geld für Lebensmittel da ist? Wie können sie bei Krankheitssymptomen in die Kliniken gehen, wenn diese geschlossen bleiben? An wen können sie sich wenden, wenn sie krank sind?

Vertiefung des Glaubens

Das eigene Leben riskierend, war das gesamte Gesundheitspersonal der San Lucas Stiftung in den von Corona betroffenen Gemeinden präsent. Trotz aller Barrieren konnten wir mit Hilfe der Franziskaner Mission aus Deutschland Nahrung, Hygieneartikel, Wasserbehälter, Medikamente, medizinische und zahnmedizinische Versorgung und Wissen überbringen.

Aber wir hatten Gott sei Dank keine Komplikationen, schwere Krankheitsverläufe oder Todesfälle durch Corona. Ganz im Gegenteil: Die Covid-19-Pandemie hat dazu beigetragen, dass die Dorfgemeinschaften heute mehr zusammenstehen, aufeinander achten und Hygienemaßnahmen einhalten. Die Pandemie hat zu einer neuen Besinnung auf unsere Grundwerte geführt und zu einer Vertiefung von Glauben und Tradition.

Die Menschen freuen sich über Hygieneartikel. Bild von Fundación San Lucas.

Hauptziel des Krankenhausmobils ist die medizinische Versorgung und hygienische Bildung der Landbevölkerung. Neben allen Vorteilen der Verbesserung der Lebensqualität, gelingt es uns aber auch aufzuzeigen, dass die Menschen Teil unseres Projekts der universellen Liebe sind, welches sich auf menschliche und christliche Werte konzentriert. Diese Werte basieren auf Vergebung, Solidarität, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Respekt, Ehrlichkeit und Glauben an die unendliche Kraft, die jedem Menschen innewohnt.

Durch das Teilen von Heilpflanzen wurden die Verbindungen zwischen ländlichen Gemeinden gefestigt. Die Bedeutung des Wertes der Familie, des Lebens und der Gesundheit jedes Einzelnen wurde bestärkt. Die Wichtigkeit einer gesunden und nahrhaften Ernährung wurden neu in den Blick genommen, ebenso der Schutz der Umwelt und die Gefahr des Einsatzes von Chemikalien in der Landwirtschaft. Der Wert des Landlebens wurde neu aufgezeigt: So manche, die als Migranten ihr Glück in den Städten versuchen wollten, kehrten in die Dörfer zurück. Der Stellenwert der gegenseiigen Fürsorge und der Solidarität hat sich sehr verbessert – vor allem gegenüber Familien in extremer Armut, welche aus anderen Gegenden in Bolivien kommen, um mit ihnen auf der Suche nach einer besseren Zukunft zusammenzuleben.

Das kleinere Übel

Für die Menschen hier war Corona das kleinere Übel. Schlimmer sind in Bolivien die Armut und der Hunger. Wir würden uns wünschen, dass so viel Geld wie in die Corona-Maßnahmen auch in die Bekämpfung dieser täglichen Übel investiert würde. Die Welt wäre ein besserer Ort!

Die San Lucas Stiftung hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen und überwindet sie: Hügel, Flüsse, beschädigte und gefährliche Straßen, Erdrutsche, sehr schmale Pfade, auf denen unser mobiles Krankenhaus kaum passieren kann, und Unannehmlichkeiten, die durch Wetter, Unterkunft oder Essen entstehen. Und dennoch bringt die Stiftung weiterhin die gute Nachricht von Jesus: „Ich bin gekommen, damit ihr Leben in Fülle habt.“

Die Autorin Maria Teresa Losada Monsalve ist Chirurgin und Direktorin der Fundación San Lucas (San Lucas Stiftung).

Erstveröffentlichung Zeitschrift Franziskaner Mission 2022 / 1

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